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06.02.2018: Ringvorlesung Zeugenschaft: Zeugenschaft in der europäischen Ethnologie und Psychoanalyse an Beispielen aus der Erzählforschung und psychotherapeutischer Praxis

Prof. Dr. Dr. Bernd Rieken, Sigmund Freud Privatuniversität, Wien

Zeugenschaft in der europäischen Ethnologie und Psychoanalyse an Beispielen aus der Erzählforschung und psychotherapeutischer Praxis

Die volkskundliche Erzählforschung ist seit jeher mit Fragen des Beglaubigens vertraut. Das gilt zum einen für die traditionelle Volkssage, welche von den Erzählern als verbürgtes Glaubensgut angesehen wird, und es gilt für die moderne Sage, die auch als FOAF-Tale bezeichnet wird, was „friend of a friend“ bedeutet, der etwas als wahr Versichertes erzählt hat. Das gilt zum anderen für das autobiographische Erzählen als modernen Zweig der volkskundlichen Erzählforschung, in welcher Strategien der Beglaubigung eine große Rolle spielen. Um lebensgeschichtliches Erzählen geht es ferner in einer Psychotherapie, bei der vor allem in ihrer psychoanalytischen Variante Aspekten der individuellen Vergangenheit und ihrer Glaubwürdigkeit eine zentrale Bedeutung zukommt. Dabei spielt die mit der Beglaubigung in Zusammenhang stehende Frage nach der Konstruktion oder Rekonstruktion der Kindheit bzw. eigenen Lebensgeschichte eine nicht unwichtige Rolle.

Zur Person Prof. Dr. Dr. Bernd Rieken

30.01.2018: Ringvorlesung Zeugenschaft: Glaubhaft und Glaubwürdig? Zur (Rechts-)Stellung von Zeugen im Strafverfahren

Prof. Dr. med. Dr. jur. Hauke Brettel, Lehrstuhl für Strafrecht, Kriminologie und Medizinrecht, Sprecher des Zentrums für Interdisziplinäre Forensik (ZIF), Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Glaubhaft und Glaubwürdig? Zur (Rechts-)Stellung von Zeugen im Strafverfahren

„Zeugen sind bei der Wahrheitssuche im Strafverfahren allgegenwärtig und gelten zugleich als die unsicherste Möglichkeit der Beweiserbringung. Der Vortrag geht auf die Rechte und Pflichten von Zeugen sowie ihre Stellung im strafrechtlichen Beweisrecht, auf ihre Schutzbedürfnisse und damit korrespondierende Schutzvorkehrungen ein. Dies berücksichtigt auch aktuelle Entwicklungen, wie sie beispielsweise mit dem Internet als Verbreitungsplattform verbunden sind. Zudem werden Schwierigkeiten im Umgang mit Zeugenaussagen angesprochen, so etwa die Subjektivität von Wahrnehmungserleben oder die Authentizität der Zeugenschaft.“

Zur Person Prof. Dr. med. Dr. jur. Hauke Brettel

23.01.2018: Ringvorlesung Zeugenschaft: Zukunft der Zeitzeugenschaft als Herausforderung für die politische Bildung

Dr. phil. Caroline Hornstein Tomic, Fachabteilungsleiterin, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn

Zukunft der Zeitzeugenschaft als Herausforderung für die politische Bildung

Berichte von Zeitzeugen, Begegnungen und Gespräche mit Zeitzeugen in Schulklassen, Ausstellungen oder bei Veranstaltungen sind fester Bestandteil der Vermittlung von Geschichte und der Erinnerungskultur. Zeitzeugenschaft war in der Geschichtswissenschaft immer eine umstrittene Instanz. Doch was heißt es für die historisch-politische Bildung, wenn Augenzeugen nicht mehr von ihren Erlebnissen berichten und nicht mehr befragt werden können? Schon heute können Geschichten „virtueller“ Zeitzeugen des Nationalsozialismus aus Interview-Datenbanken aufgerufen oder Hologramme von Zeitzeugeninterviews mit Holocaust-Opfern in die Klassenzimmer projiziert werden. Soziale Netzwerke organisieren Erinnerungsräume, in welchen die Grenzen zwischen authentischen und fiktionalen Quellen verschwimmen. Welcher Status kommt Zeitzeugenschaft in einer mediatisierten und digitalisierten Gesellschaft zu, in welcher Zugänge zu Geschichte und Geschichtsbilder durch transnationale wie binnengesellschaftliche (Des-) Integrationsdynamiken zunehmend vielfältig und infrage gestellt werden? Wo Technologien der Bildbearbeitung Authentizität vortäuschen und manipulieren, Bots und Algorithmen digitale Öffentlichkeit erzeugen, fake news und alternative facts ein Spiel mit Zeitzeugenschaft treiben, muss Medienbildung Teil von historisch-politischer Bildung sein. Dass technische Verifikationsmethoden, digitale Forensik, aber auch crowd-basierte Formen der Verifikation oder Gegenrede eine besondere Bedeutung erhalten und künftig vielleicht sogar Funktionen von Zeitzeugenschaft übernehmen stellt die historisch-politische Bildung vor spannungsvolle Herausforderungen.

Zur Person Dr. phil. Caroline Horstein Tomic

16.01.2018: Ringvorlesung Zeugenschaft: Gegenwart ausstellen. Zwischen Dokumentation und Storytelling am Beispiel von "HEIMAT. Eine Grenzerfahrung"

Sibylle Lichtensteiger, Leiterin Stapferhaus Lenzburg

Gegenwart ausstellen. Zwischen Dokumentation und Storytelling am Beispiel von "HEIMAT. Eine Grenzerfahrung"

GELD, HEIMAT oder FAKE - das Stapferhaus stellt gesellschaftlich brisante Themen zur Diskussion und erreicht damit ein breites Publikum. Am Anfang der Ausstellungsprojekte stehen keine Objekte, sondern Themen und Ziele und eine breite interdisziplinären Recherche. Danach kommt die grosse Herausforderung: Wie lässt sich die Gegenwart ausstellen? Was heisst "authentisches Material"? Wie findet man zur Erzählung? Wo fängt Storytelling an und wo hört es auf? Sibylle Lichtensteiger gibt anhand der Ausstellung "HEIMAT. Eine Grenzerfahrung" einen Blick hinter die Kulissen frei und erzählt u.a. warum vor der HEIMAT ein grosses Riesenrad seine Runden dreht. 

Zur Person Sibylle Lichtensteiger

09.01.2018: Ringvorlesung Zeugenschaft: Geschichten erZeugen - Zeugenschaft im Journalismus

Prof. Dr. Katja Schupp, Journalistisches Seminar der Johannes Gutenberg-Universität Mainz 

Geschichten erZeugen - Zeugenschaft im Journalismus

Kein Journalismus ohne Augenzeugen, Zeitzeugen, Zeugnisse in Text, Ton und Bild. Die Möglichkeiten der Digitalisierung haben Zeugenschaft im Journalismus grundsätzlich verändert, nicht selten erschüttert: Welche Auswirkungen hat die aktuelle journalistische Arbeitspraxis auf Zeugenschaft und deren Inhalte? Welche Folgen hat es, dass mittlerweile jeder, der ein Mobiltelefon hat, audiovisuell Zeugnis ablegen (und es verbreiten) kann? Und schließlich: Wie glaubwürdig sind Zeugen und Zeugnisse in Zeiten digitaler Manipulation?

Der Vortrag betrachtet Zeugenschaft im Journalismus entlang des journalistischen Arbeitsprozesses: 1.) als Grundlage journalistischer Arbeit in der Recherche, 2.) als wesentliches Element in der Produktion und ggf. Aufnahmepraxis sowie 3.) als gestaltendes Element des journalistischen Produkts. Dabei geht es nicht nur um die Bedeutung von Zeugnissen im sachlich orientierten Bericht, sondern vor allem auch für das emotionalisierende Erzählen: Das Erzeugen von Geschichten.

Zur Person Prof. Dr. Katja Schupp

19.12.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: Das Bild als Zeuge – Amateurvideos von Krieg, Flucht und Migration

Kathrin Brinkmann, Redakteurin ZDF/ARTE

Das Bild als Zeuge – Amateurvideos von Krieg, Flucht und Migration

Wenn wir wissen wollen, was in entfernten Kriegen vor sich geht, müssen wir uns in der Regel auf Zeugnisse  anderer verlassen. Das Internet eröffnet hier ein Archiv in neuer Größenordnung und Form. In den sozialen Netzwerken kursieren zahllose Amateurvideos,  die von Krieg, Flucht  und Migration berichten - gedreht  und gepostet um Zeugnis abzulegen. Die Autoren sind oft unbekannt,  ihre aus unmittelbarer Nähe aufgenommenen Bilder konfrontieren uns nicht nur mit schockierenden Täter- und Opfergeschichten, sie  veranschaulichen  auch die Bedingungen ihrer Herstellung und lassen erahnen, wie sich Menschen in Ausnahmesituationen fühlen. 

Auch wenn wir viele dieser Augenzeugenberichte für dokumentarisch halten, für  zuverlässige Übermittler von Informationen und Situationen, so  können wir uns ihres Wahrheitsgehaltes nie ganz sicher sein. Trotzdem sind Amateurvideos als wichtige Zeugnisse in den letzten Jahren von Fernseh- und Filmemachern  aufgegriffen und befragt worden, wenn sie von Krieg, Flucht und Migration erzählen wollten. Wie gehen sie mit diesen Zeugnisbildern um, wie erkunden und reflektieren sie die Geschichten dahinter?

My escape“ von Elke Sasse, „Selbstportrait Syrien“ von Ossama Mohammed und „Havarie“ von Philip Scheffner - anhand dieser drei dokumentarischen Produktionen für Fernsehen und Kino wird mein Vortrag Bedingungen von Zeugenschaft, Erzähl- und Deutungsmacht im Zeitalter des Internets erkunden.

Zur Person Kathrin Brinkmann

12.12.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: Zeugenschaft der Kamera im Dokumentarfilm

Dr. Florian Krautkrämer, Filmwissenschaft, JGU Mainz

Zeugenschaft der Kamera im Dokumentarfilm

„Die Art, wie die Kamera im Dokumentarfilm mit dem, was sie aufnimmt, interagiert, hängt mit einer Reihe unterschiedlicher Faktoren zusammen: ethischen Entscheidungen, Moden, Genrekonzeptionen, technischen Entwicklungen und den Sujets selbst. Die Konstruktion von Authentizität auf Seiten der Filmenden als auch die Entscheidung über die Glaubwürdigkeit ebendieser auf Seiten der Rezipienten basiert zu einem großen Teil auf der Verortung der Figur der Kamera innerhalb der zu dokumentierenden Szenerie. Der Vortrag stellt unter dieser Perspektive verschiedene Beispiele der Dokumentarfilmgeschichte vor und fragt danach, was sich durch neuere technische Entwicklungen verändert.“

Zur Person Dr. Florian Krautkrämer

05.12.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: Materielle Zeugenschaft und performative Intervention

Dr. Michael Bachmann, University of Glasgow, GB

Materielle Zeugenschaft und performative Intervention

Im Mai 2017 stiehlt die Aktivistengruppe LGBTQI+ Refugees in Greece einen für die documenta in Kassel und Athen bestimmten Monolithen. Der knapp sechzig Kilo schwere Steinblock ist Bestandteil einer Arbeit der Theatermacher Roger Bernat und Roberto Fratini, The Place of the Thing, die sich kritisch mit Fragen nach Gemeinschaft, Bezeugbarkeit und Dokumentation auseinandersetzt. Mit dem Diebstahl des Steinblocks wollen die Aktivisten auf ein Problem aufmerksam machen, dass die gegenwärtige Kunstszene allgemein – und die documenta im besonderen – kennzeichne: die aus ihrer Sicht problematische Einbettung von Flüchtlingen und anderen benachteiligten Gruppen. Es handle sich um eine Partizipation auf Grundlage von Exotisierung und Stimmentzug: „Your stone is supposed to give us a voice, to speak to our stories. But rocks can’t talk! We can!“ Paradoxerweise verleihen die Aktivisten dem Stein damit die Stimme, die ihm angeblich fehlt, und von der die Theatermacher behaupten, dass sie schon immer da war.

Ausgehend von The Place of the Thing behandelt der Vortrag eine Reihe von Fallstudien aus dem Theater- und Museumskontext. Er untersucht dabei die unterschiedlichen Ansprüche auf Zeugenschaft, die der eben beschriebene Vorfall formuliert, und die sich auf das Verhältnis von materieller Zeugenschaft – angeblich in Objekten niedergelegt – und performativer Intervention (z.B. dem Diebstahl des Steins) beziehen lassen.

Zur Person Dr. Michael Bachmann

28.11.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: „Von Menschen, Mäusen und Mümpel – Schöne neue Museumswelt?!“

Dr. Josef Mangold (Freilichtmuseum Kommern)

„Von Menschen, Mäusen und Mümpel – Schöne neue Museumswelt?!“

Museen sind Sammlungsstätten unseres kulturellen Erbes. Freilichtmuseen nehmen unter den Museen einen besonderen Stellenwert ein, da sie unter freiem Himmel mit sehr großen Objekten (nämlich ihren Gebäuden, Einrichtungen, Tieren…) und mit (sehr) kleinen Objekten (Nähnadeln, Kinderspielzeug, Schnapsglas …) wie auch ihren kulturlandschaftlichen Elementen in einem teils weitläufigen Museumsgelände BesucherInnen in ihren Bann ziehen. Standen zunächst auch in diesem Museumstyp die Objekte absolut im Vordergrund der Forschung und Präsentation, so hat sich dies in den letzten Jahren in Richtung „Menschen“ und „Geschichten“ verändert. Die jüngere (Zeit)-Geschichte tritt verstärkt ins Zentrum der Betrachtungen und damit auch Zeitzeugen. Der Vortrag beleuchtet am Beispiel des LVR-Freilichtmuseums Kommern die Entwicklungsschritte von einem Museum für Häuser hin zu einem Museum von und für Menschen.

Zur Person Dr. Josef Mangold

07.12.2017 - 09.12.2017: Format Matters. Theories_Histories_Practices (Interdisciplinary conference)

Format Matters.

Theories_Histories_Practices

Interdisciplinary Conference, 7-9 December 2017
Venues: Alte Mensa (JGU Campus), Haus am Dom (Liebfrauenplatz 8)

The international conference Format Matters at Johannes Gutenberg University of Mainz brings together scholars from a variety of disciplinary backgrounds to explore the cultural meaning, social dynamics and aesthetic effects of media formats.

“Format” can refer to a great range of very dissimilar objects, practices and cultural registers: From the size or folding of a book to the shape, color and “weight” of a film; from the durational rhythms of a television program and syntactic orderings of a computer file to formalized ways of recordkeeping, cataloging and description. Formats are historically specific modes of organizing sensory experience that inscribe the economic, technological and cultural conditions of a particular age into concrete objects. Format is the categorizing instrument that allows us to meaningfully understand the hierarchy of cultural and material gradations by which “tabloid” is related to “broadsheet”, or 8mm film is differentiated from a Laserdisc.

Despite the central role it plays for film, television, media and literary studies, questions of format have thus far remained subordinate to form, content or genre. Only recently, with the appearance of a number of case studies across various media, the study of formats began experiencing increased urgency, with media historian Jonathan Sterne even suggesting the necessity of a field of ‘format theory’. Building on this important previous work, Format Matters aims to further the methodological and theoretical concerns and contribute towards a deeper understanding of the function of formats in media culture.

Visit the website for more information.

21.11.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: „Ist halt irgendwie authentischer.“ Selbstzeugnis und Zeitzeugenschaft im ethnographisch-volkskundlichen Film

Dr. Dagmar Hänel, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn

„Ist halt irgendwie authentischer.“ Selbstzeugnis und Zeitzeugenschaft im ethnographisch-volkskundlichen Film

Der volkskundliche-ethnographische Film hat seit seinen Anfängen in den 1920er Jahren grundlegende Wandlungsprozesse durchlaufen. Die Repräsentanz von gefilmten Akteur*innen ist dabei ein zentrales Element: Der Paradigmenwechsel von vorführenden Handlungsprotagonist*innen zu Forschungspartner*innen, die mit ihrer persönlichen Präsenz im Film subjektive Perspektiven einbringen, hat Einfluss auf methodologische wie forschungsethische Fragen. Die Zeugnisqualität, die im Erzählen der eigenen Geschichte liegt, steht dabei in ihrer Wirkmächtigkeit in interdependenten Bezügen mit einer scheinbaren Objektivierung und Authentifizierung durch die mediale Repräsentanz einer Filmkamera.

Zur Person Dr. Dagmar Hänel

14.11.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: Von transplantierten Zeitzeugen und ferngesteuerten Zuschauern

Stefan Kaegi (Rimini Protokoll)

Von transplantierten Zeitzeugen und ferngesteuerten Zuschauern

Warum lässt sich globaler Waffenhandel über ipads in einem Filmset nachvollziehen? Wo lässt sich über eine App in die Geschichte von Berlin Mitte oder Santiago de Chile reisen? Und wie inszenieren Menschen ihren eigenen Auftritt in einer Aufführung, bei der sie selbst nicht mehr dabei sein können? 

Stefan Kaegi zeigt und kommentiert Videos von interaktiven Zeitreisen und Stadtrauminterventionen des Berliner Labels Rimini Protokoll.

 

Zur Person Stefan Kaegi

07.11.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: The Complicity of Strangers

Tim Etchells (Forced Entertainment)

The Complicity of Strangers

Artist and performance-maker Tim Etchells, leader of the ensemble Forced Entertainment, speaks about his work in relation to audiences, spectators and witnesses.

14:15 bis 15:45 Uhr, Hörsaal P1, JGU Campus

Zur Person Tim Etchells

24.10.2017 - 02.02.2018: Ringvorlesung Phantom// Film// Kunst// Medien//

In Kooperation mit der Kunsthochschule Mainz startet am 24.10.2017 immer dienstags von 18-20 Uhr die Ringvorlesung Phantom// Film// Kunst// Medien.

Die Vortragsthemen und die jeweilige Örtlichkeit entnehmen Sie bitte dem Programm.

06.11.2017 - 29.01.2018: Vortragsreihe: Bestandsaufnahme Filmförderung

Eine Veranstaltungsreihe im Zusammenhang mit dem Seminar "Bestandsaufnahme Filmförderung: Europäische Förderungen im Vergleich" der Filmwissenschaft Mainz, organisiert von Dr. Florian Krautkrämer.

06.11.2017    Dr. Jan Ole Püschel, Leiter der Gruppe K 3 (Medien und Film, Internationales) bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

20.11.2017    Anna Schoeppe, Geschäftsleitung Kuratorium junger deutscher Film

04.12.2017    Hans Joachim Mendig, Geschäftsführer HessenFilm und Medien GmbH

18.12.2017    Roberto Olla, Executive Director Eurimages

15.01.2018    Magalie Armand, Chef de département Cinémas du Monde, Centre National du Cinéma

22.01.2018    Karin Schockweiler, Deputy Director Film Fund Luxembourg

29.01.2018    Boban Jevtić, Director Film Center Serbia

Alle Vorträge offen für Interessierte, jeweils 18:30 Uhr, Raum 00 113, Medienhaus, Wallstr. 11.

Das Plakat zur Veranstaltungsreihe

24.10.2017: Ringvorlesung Zeugenschaft: Zeugenschaft als philosophisches Problem

Dr. Sibylle Schmidt, Institut für Philosophie, Freie Universität Berlin

Zeugenschaft als philosophisches Problem

Was wir über die Welt und sogar über unsere eigene Identität wissen, haben wir meist nicht selbst in Erfahrung gebracht, sondern es ist uns durch die Worte, Bilder und Erzählungen anderer überliefert worden. Zeugnisse anderer sind eine unabdingliche Wissensquelle für Rechtsprechung und Geschichtsschreibung, für die Wissenschaften wie auch unser Handeln im Alltag – und das trotz ihrer hohen Fehlbarkeit. Darüber hinaus birgt die Figur des Zeugen bzw. der Zeugin eine hohe ethische und politische Relevanz, die besonders im Zusammenhang der Shoah und anderer Fälle politischer Verfolgung und Vernichtung zutage getreten ist.

Der Vortrag wird Phänomene der Zeugenschaft aus philosophischer Perspektive beleuchten: Welche philosophischen Fragen und Probleme wirft die Praxis des Bezeugens auf? Wie lassen sich die mannigfaltigen Erscheinungsformen der Zeugenschaft, angefangen beim Gerichtszeugen über den historischen Zeugen bis hin zum Märtyrer, überhaupt auf einen Begriff bringen? Während die meisten neueren philosophischen Beiträge entweder die epistemologische oder die ethische Dimension des Zeugnisses diskutieren, schlage ich vor, Zeugenschaft als eine Wissenspraxis zu begreifen, in der Epistemologie und Ethik, Erkenntnis und Anerkennung auf fundamentale Weise verwoben sind. Zeugenschaft kann als Schlüsselbegriff einer sozialen Erkenntnistheorie betrachtet werden, andererseits aber auch als eine Form ethischen und politischen Engagements.

Im Anschluss will ich auch einige offene Forschungsfragen thematisieren, die das Verhältnis von Zeugenschaft und Medien betreffen – allen voran die Frage, wie die digitale Kultur die Praxis der Zeugenschaft und unseren Umgang mit Zeugnissen verändert.

Zur Person Dr. Sibylle Schmidt

17.10.2017: Einführungsveranstaltung Ringvorlesung Zeugenschaft: Zeugenschaft. Kulturen und Konjunkturen einer Wissenspraxis

Herr Jun.-Prof. Wihstutz, Herr Prof. Kreuder, Herr Prof. Simon, Frau Jun.-Prof. Stenzel, Frau Jun.-Prof. Scholl-Schneider, Herr Jun.-Prof. Uhlig und Frau Prof. Schneider

Zeugenschaft. Kulturen und Konjunkturen einer Wissenspraxis:

Sowohl gesellschaftliche als auch individuelle Erinnerungsprozesse finden derzeit vermehrt digital statt. Die sich verändernden Medienkulturen bedingen jedoch auch einen grundsätzlich im Wandel begriffenen Umgang mit Zeugenschaft. Zwischen sinnlicher Verbürgung und medial ermöglichter Teilhabe oszillieren die Legitimationspraxen zur Herstellung und Bewahrung von Glaubwürdigkeit. So ermöglicht etwa die aktuell zu beobachtende Partizipationskultur unmittelbare und selbstbestimmte mediale Zeugenschaft (zum Beispiel in Form von Katastrophenvideos etc.), andererseits aber auch Legitimationsstrategien durch den Einsatz von (Zeit-)Zeugenschaft im Bereich kultureller Bildung und Vermittlung. Die in Zusammenarbeit mit allen im IFTeK beteiligten Disziplinen konzipierte Ringvorlesung hat zum Ziel, Kulturen und Konjunkturen von Zeugenschaft ethnografisch zu beschreiben sowie kultur- und medienwissenschaftlich zu deuten. Neben der Beteiligung von Lehrenden aus dem IFTeK sowie weiteren Instituten der JGU werden Gastreferent_innen aus Wissenschaft und Praxis dem erlernten, tradierten und gelebten Umgang mit Konzepten des Wahrmachens und des Beglaubigens an konkreten alltäglichen Umsetzungen und Aushandlungen von Zeugenschaft nachgehen.

Ringvorlesung Zeugenschaft immer um 14:15 bis 15:45 Uhr, Hörsaal P1, JGU Campus (Ausnahme: 30. Januar im HS20).

Vortragsprogramm